„Einer für alle – alle für einen“
Forscher aus RWTH Aachen und Universität Erfurt zeigen, warum wir beim Impfen auch an andere denken sollen. „Einer für alle – alle für einen!“ Liegt in dem alten Musketier-Prinzip der Schlüssel für eine höhere Bereitschaft zum Impfen? Dieser Frage sind Wissenschaftler der RWTH Aachen und der Universität Erfurt in einer kulturvergleichenden Studie nachgegangen. Die Ergebnisse sind nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Nature Human Behaviour“ erschienen. Wer eine wichtige Entscheidung treffen muss, erstellt gern eine Pro- und Kontraliste, die seine Entscheidung erleichtern soll. Für viele ist dies auch ein Weg, sich über die eigene Grippeimpfung oder die Masernimpfung seines Kindes klar zu werden. Auf der Pro-Seite steht der eigene Infektionsschutz, den man durch die Impfung erhält. Auf der Kontra-Seite stehen beispielsweise mögliche Nebenwirkungen oder die Wartezeit in der Arztpraxis. Doch es gibt noch einen weiteren wichtigen Punkt zu berücksichtigen, wie jetzt das Forscherteam um Professor Robert Böhm von der RWTH Aachen und Dr. Cornelia Betsch von der Universität Erfurt in einer Forschungsarbeit belegt: Die individuelle Impfentscheidung hat auch einen gesellschaftlichen Nutzen. Denn jede Impfung trägt dazu bei, dass sich eine Krankheit weniger in der Gesellschaft ausbreiten kann. Vielen Menschen ist dies nicht bewusst: Wenn sich genügend Personen in einer Gesellschaft für eine Impfung entscheiden, können auch Nicht-Geimpfte wie chronisch Kranke oder Säuglinge geschützt werden. In diesem Fall spricht man von Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität. Handeln viele Menschen nach der Maxime „Einer für alle – alle für einen!“, können Krankheiten sogar ausgerottet werden.

