In Corona-Zeiten kommt die Kunstpause digital nach Hause. Jeweils dienstags um 13.00 Uhr wird ein Video online gestellt, in dem Kurator*innen in knapp zwei Minuten erstaunliche Werke erklären. Viel Spaß beim Zuschauen und Zuhören!

Di, 03.11., 13.00 Uhr @suermondtludwig

Versuchung des Hl. Antonius, um 1510

Nordniederlande

Das Eichenholzrelief zeigt den Eremiten Antonius, der vor seiner Klause in einem Wald sitzt und von zahlreichen Ungeheuern bedroht wird, einem Schuppentier, einem Drachen mit herabhängenden weiblichen Brüsten, einem krallenfüßigen Wesen in Mönchskleidung. Der mittelalterliche Bildschnitzer, der aus den Nordniederlanden stammt, stellt die inneren Versuchungen des Hl. Antonius als von außen auf diesen einwirkende, ungeheuerliche Mischwesen dar. Dieses Thema, das in der Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts häufiger vorkommt, ist in der mittelalterlichen Skulptur selten anzutreffen.

Mit Dr. Dagmar Preising


Ankerdi, 10.11., 13.00 Uhr @suermondtludwig

Ars bene moriendi, um 1475

Meister des Sinziger Kalvarienberges

Ars bene moriendi – Die Kunst des guten Sterbens ist ein mittelalterliches Thema, das häufiger in der Graphik und nur seltener in der Tafelmalerei Darstellung fand. Der Sterbende liegt in einem großen Baldachinbett und seine Seele in Gestalt eines kleinen Menschleins entweicht seinem Mund. Maria tritt als seine Fürbitterin auf, die wiederum auf Christus verweist, der seinerseits als Fürbitter vor Gott auftritt. Die Angst vor dem Tod war im Mittelalter stark ausgeprägt, so dass man sich durch Gebet und innere Einkehr auf ein gutes Sterben vorzubereiten hatte, um den Höllenqualen zu entgehen. Auch Bilder dienten zur Einstimmung auf einen guten Tod.

Mit Dr. Dagmar Preising

Di, 17.11., 13.00 Uhr @suermondtludwig

Verkündigung an Maria

Werkstatt des Hans Leinberger, um 1516/18

Dieses Medaillon mit der expressiv gestalteten Verkündigung an Maria war Teil eines großen, im Kirchenraum der Landshuter Marienkirche frei hängenden Rosenkranzbildes. Dieses bestand aus einer Madonna im Strahlenkranz, die umgeben war von mehreren Medaillons, darunter auch das Aachener Stück. Es handelte sich somit um den freudenreichen Rosenkranz Mariens. An dem Relief selbst findet sich, abgesehen von der Rundform, noch ein weiterer Hinweis auf das Rosenkranzmotiv. Eine Perlschnur umgibt die Szenerie, wobei es sich bei den Rundperlen um Ave Maria-Perlen, bei den länglichen um Paternoster-Perlen eines Rosenkranzes handelt.

Mit Dr. Dagmar Preising

di, 24.11., 13.00 Uhr @suermondtludwig

Paulus Janszoon Moreelse: Mädchen mit Fächer

Ein Mädchen, das aussieht wie eine kleine Erwachsene und in Wirklichkeit erst zweieinhalb Jahre alt ist: Perfekt gestylt, trägt sie ein weißes Damastkleid mit einem kostbaren Spitzenkragen. Oder sollte man sagen, das Kleid trägt sie? Der Kontrast zwischen dem lebendig gemalten Köpfchen und dem steifen Körper könnte nicht größer sein. Man vermutet, dass die Gesellen von Meister Moreelse Kleid und Hintergrund gemalt haben.
Mit Wibke Birth

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Suermondt-Ludwig-Museum

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Das Suermondt-Ludwig-Museum ist der „Salon" der Aachener. In einem prachtvollen Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert sind kostbare Sammlungen untergebracht. Herausragend ist die mittelalterliche Skulpturensammlung, eine der bedeutendsten in Deutschland. Auch holländische Meister der Barockzeit sind hier exzellent vertreten. Dazu gibt es eine kleine, feine Sammlung von Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, ein Kupferstichkabinett und eine riesige Kollektion kunsthandwerklicher Stücke.