StädteRegion Aachen. An diesem Sonntag (28. Oktober) gibt es begleitend zur Eröffnung der Max-Scheler-Ausstellung im Monschauer KuK eine weitere interessante Ausstellung zu entdecken. Die Fotografin und Videokünstlerin Johanna Reich präsentiert dabei im Rahmen des SHIFT-Projektes ihre spannende Werkgruppe mit dem Titel „Resistance". Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit voller Umbrüche zeigt sie in einer Fotoserie, welche Haltung die junge Generation gegenüber den Themen Macht und Widerstand einnimmt. Die Eröffnung ist eingebunden in die Vernissage ab 11 Uhr zur großen Max-Scheler-Ausstellung in den Haupträumen auf Parterre und im ersten Stockwerk.

Die Wahl-Kölnerin Reich bezeichnet sich selbst als „fotografierende und filmende Malerin". Sie glaubt fest daran, dass „in post-digitalen Zeiten eine Malerin nicht zwangsläufig ihr Atelier vollklecksen muss, um als solche zu gelten". Im ihrem Projekt „Resistance" befragt sie Jugendliche aus zehn deutschen Städten im Alter zwischen 14 und 22 Jahren, welche Bedeutung für sie der Begriff „Widerstand" hat. Zudem, mit welcher Person sie „Widerstand" verbinden und ob sie sich mit dieser Person identifizieren können. Die Teilnehmer wählen daraufhin ein Bild eines Widerständlers, Freiheitskämpfers oder Rebellen – männlich oder weiblich, unabhängig von Nation oder Epoche. Dieses Bild wird mit einem Beamer auf das Gesicht des Teilnehmers projiziert und Johanna Reich hält das mit der Kamera fest. Sie hat die jungen Menschen selbst entscheiden lassen, in welcher Haltung, Mimik und Gestik sie auf den Fotos zu sehen sind.

Dank der analogen Projektion entsteht eine Art physische Spur, die das Bild auf dem Körper hinterlässt, oder wie Johanna Reich es nennt: „hybride Physiognomien". Diese Technik stellt einen weiteren Aspekt zur Diskussion, der die 41-Jährige intensiv beschäftigt: Original versus Kopie. Bei der Projektion „habe ich einerseits ein Original und andererseits auch kein Original. Das ist spannend und macht, wie ich glaube, unsere Zeit aus. Wir leben in der echten Welt und gleichzeitig auch in den Scheinwelten des Internets und Digitalen. Und diese erheben letztlich von einer höheren Warte aus betrachtet denselben Anspruch, echt zu sein, wie alles andere auch."

In ihrer SHIFT-Präsentation im KuK ist eine kleine Auswahl an Porträts aus „Resistance" zu sehen. Johanna Reich gibt zu bedenken, dass hinter jedem Bild auch eine eigene Geschichte, ein langer Gedankengang steht. „Es gab eine spannende Diskussion unter einigen Jugendlichen", erinnert sie sich, „als ein geflüchteter Junge einen politischen Rebellen seiner Heimat als Vorbild auswählte, der für sein Volk gekämpft hatte, aber gleichzeitig ein Massenmörder war. Wir haben lange über dieses hoch kontroverse Thema gesprochen und mich hat sehr beeindruckt, wie offen und fair die Jugendlichen miteinander umgegangen sind – diese aufrichtige Auseinandersetzung hat mich ziemlich stark berührt."

Johanna Reich wurde u. a. mit dem japanischen Excellence Prize for Media Arts, dem Förderpreis des Landes NRW für Medienkunst, dem Konrad-von-Soest-Preis und dem Nam June Paik Award ausgezeichnet. Ihre  SHIFT-Präsentation befindet sich auf der zweiten Etage des KuK (Austraße 9 in Monschau) und ist nach der Eröffnung am Sonntag, 28. Oktober, zu den üblichen Öffnungszeiten bei freiem Eintritt bis Sonntag, 18. November, zu sehen. Die Max-Scheler-Ausstellung „Von Konrad A bis Jackie O.", die am selben Tag eröffnet, kann einige Tage kürzer als ursprünglich angekündigt bis Sonntag, 16. Dezember, eintrittsfrei besucht werden. Die Doppel-Vernissage wird durch eine Kunst-Buch-Börse begleitet. Weitere Infos unter Telefon 02472/803194 und www.kuk-monschau.de.

Foto: Clara&Simone de Beauvoir, Johanna Reich,©VGBild-Kunst,Bonn2018, courtesy PRISKA PASQUER, Cologne

Eines der Werke, die ab Sonntag im KuK Monschau zu sehen sind. Das projizierte Bild zeigt die französische Schriftstellerin, Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir.