Wie könnte ein Campus aussehen, an dem Studierende nicht nur lernen, sondern sich auch gerne aufhalten? Diese Frage stand im Zentrum der Bachelorabschlussarbeiten von Selin Kayku und Medayin Özen, die im Architekturstudium der FH Aachen Konzepte für den Umbau des Campus Eupener Straße entwickelt haben.
Ihre Entwürfe entstanden auf Basis eines studentischen Projekts, das sich bereits frühzeitig mit dem Standort beschäftigt hatte.
Obwohl es sich um zwei eigenständige Abschlussarbeiten handelt, sind die Konzepte bewusst aufeinander abgestimmt. Selin Kayku entwickelte ein Umnutzungskonzept für das Gebäude H, Medayin Özen bezog in seine Arbeit sowohl Gebäude G als auch Gebäude F ein.
„Uns war wichtig, dass die Entwürfe miteinander sprechen“, sagt Selin Kayku. „Der Campus funktioniert ja auch nicht als Einzelgebäude, sondern als zusammenhängender Ort.“ Auch Medayin Özen betont den Mehrwert der Zusammenarbeit: „Es war etwas Besonderes, einen Teil der Arbeit gemeinsam zu denken und sich gegenseitig zu unterstützen – gerade bei einem so komplexen Bestand.“
Die Grundlage für beide Abschlussarbeiten bildete ein mehrsemestriges studentisches Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Evelin Rottke und Prof. Martin Zerwas, an dem die beiden – gemeinsam mit weiteren Studierenden – bereits früher im Studium beteiligt waren. Damals stand zunächst eine umfassende Bestandsanalyse des H-Gebäudes im Mittelpunkt: Vermessungen, digitale Modelle, Untersuchungen zur Akustik, zur thermischen Behaglichkeit und zu Nutzungspotenzialen.
Diese Erkenntnisse griffen Kayku und Özen später erneut auf und entwickelten sie im Rahmen eines Moduls weiter – bis hin zu ihren Abschlussarbeiten. „Es war spannend zu sehen, wie sich aus der Analyse Schritt für Schritt ein konkretes räumliches Konzept entwickelt“, sagt Özen. „Wir konnten auf einer sehr soliden Grundlage aufbauen.“
Beide Arbeiten eint der Fokus auf Bauen im Bestand – ein Thema, das aus Sicht der Studierenden künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird. Ihre Entwürfe verstehen sie bewusst als Denkanstoß: Die vorhandene Gebäudestruktur biete deutlich mehr Potenzial, als aktuell genutzt werde. „Viele Flächen sind funktional, aber nicht unbedingt auf das ausgelegt, was Studierende heute brauchen“, erklärt Selin Kayku. Ziel sei es gewesen, mehr kleinere Lernräume, zusätzliche Aufenthaltsbereiche und flexible Nutzungen zu schaffen. So solle der Campus zu einem Ort werden, an dem Studierende noch lieber auch außerhalb von Lehrveranstaltungen gerne Zeit verbringen.
Ein zentrales Element der Konzepte ist zudem die Aufwertung der Außenräume. Vorgesehen sind unter anderem großzügige Außenterrassen mit transparenten Elementen, die Tageslicht in die darunterliegenden Ebenen lassen. So entstehen Aufenthaltsorte vor, auf und unter den Terrassen.
In die Entwürfe flossen auch die Ergebnisse einer Befragung von rund 150 Studierenden ein. Deren Wünsche und Bedürfnisse spiegeln sich in den Modellen wider, etwa in Bezug auf Lernatmosphäre, Aufenthaltsqualität und Identifikation mit dem Campus. „Wir haben versucht, die studentische Perspektive ernst zu nehmen“, sagt Medayin Özen. „Unsere Modelle zeigen bewusst auch größere Eingriffe, ganz nach dem Motto: ‚Wie könnte es sein?‘ Vielleicht lassen sich nicht alle Ideen umsetzen, aber schon kleine Veränderungen können viel bewirken.“
Dass sie ihre Abschlussarbeiten nicht nur fiktiv, sondern für einen real existierenden Campus entwerfen konnten, empfanden beide als besonders motivierend. Entsprechend wertvoll war für sie auch die Möglichkeit ihre Entwürfe Prof. Dr. Andrea Upmann, Prorektorin für Studium, Lehre und Internationales, präsentieren zu können.
„Solche Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, Studierende frühzeitig in die Entwicklung von Hochschulräumen einzubeziehen“, sagte Upmann. „Die Konzepte liefern spannende Impulse für die Frage, wie Lernen, Arbeiten und Aufenthalt künftig zusammengedacht werden können.“
Auch Studiendekanin Prof. Dr. Carolin Stapenhorst vom Lehrgebiet Methodik des Entwerfens, Architekturkommunikation und digitales Planen hebt den Prozess hervor: „Die beiden haben sehr konsequent aus der Analyse heraus entworfen und ihre Konzepte immer wieder überprüft. Besonders gelungen ist die Verbindung aus individueller Handschrift und gemeinsamer Idee.“
Ob und in welcher Form die vorgestellten Konzepte umgesetzt werden, ist offen. Für Selin Kayku und Medayin Özen steht jedoch fest, dass die Arbeit am realen Campus Eupener Straße eine prägende Erfahrung war. „Es fühlt sich anders an, wenn man nicht etwas Abstraktes entwirft, sondern einen Ort, den man kennt und nutzt“, sagt Selin Kayku. Und Medayin Özen ergänzt: „Wenn unsere Arbeiten dazu beitragen, Diskussionen anzustoßen, haben sie ihren Zweck erfüllt.“
