Akademienprogramm nimmt 21-jähriges RWTH-Vorhaben zur Erforschung und Archivierung wissenschaftlicher Software auf. Vier neue Forschungsvorhaben mit nordrhein-westfälischer Beteiligung werden ab 2026 in das Akademienprogramm, das gemeinsame Forschungsprogramm der deutschen Wissenschaftsakademien, aufgenommen.
Die Gesamtfördersumme für die neuen Projekte beträgt rund 42 Millionen Euro, die Laufzeiten reichen – für Forschungsprojekte außergewöhnlich – von 15 bis 25 Jahren. Unter den ausgewählten Vorhaben ist auch das von der RWTH Aachen koordinierte Projekt „Edition wissenschaftliche Software. Wissenschaftshistorische und wissenschaftsphilosophische Forschung und Edition zur Softwaregeschichte der Digitalen Wissenschaften von 1950 bis 2010“ unter Leitung von Professorin Gabriele Gramelsberger, Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie der RWTH. Über 21 Jahre hinweg stehen dem interakademischen Projekt insgesamt rund 12,4 Millionen Euro zur Verfügung.
Edition wissenschaftliche Software: Forschungslücke mit kulturhistorischer Relevanz
Die Digitalisierung verändert unsere Welt. Das gilt in besonderem Maße für die Wissenschaft. Nahezu jede Disziplin ist heute digitalisiert. Computersimulationen, auf Algorithmen basierende Analysen großer Datenmengen und Verfahren der Künstlichen Intelligenz gehören zum Alltagswerkzeug der Forscherinnen und Forscher. Dennoch ist ein zentraler Teil dieses Wandels bisher kaum erforscht: die wissenschaftliche Software selbst. Während Hardware längst Gegenstand historischer Sammlung und Forschung ist, fehlt es bei Software an systematischer Sicherung, Kontextualisierung und langfristiger Bewahrung.
Das Projektteam der RWTH Aachen, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Bielefeld sowie des Forschungsinstituts für Technik und Wissenschaftsgeschichte des Deutschen Museums möchte diese Lücke schließen. Ziel ist es, die noch vorhandene wissenschaftliche Software der Jahre 1950 bis 2010 systematisch zu erschließen, auszuwerten und zu edieren. Darüber hinaus soll eine neue Forschungslinie zur Softwaregeschichte der Digitalen Wissenschaft etabliert werden. Ergänzend entsteht eine offene Online-Forschungsplattform mit neuen Standards zur digitalen Archivierung.
„Die Zeit drängt“, sagt Gabriele Gramelsberger. „Denn im Unterschied zu anderen historischen Quellen wie Tontafeln, Manuskripten oder Büchern handelt es sich bei wissenschaftlicher Software um fragile Zeitdokumente, die aktiv gesichert werden müssen. Wenn diese Quellen verloren gehen, kann die Softwaregeschichte der Digitalen Wissenschaft nicht mehr erforscht werden.“
Das Akademieprogramm
Das Akademienprogramm dient der Erschließung, Sicherung und Erforschung weltweiter kultureller Überlieferungen. Es ist das größte Langzeit-Forschungsprogramm seiner Art in Deutschland und wird von der Akademienunion koordiniert. Eine Chance auf Förderung haben nur exzellente Projekte von hoher wissenschaftlicher Relevanz mit einer Dauer von zwölf bis 25 Jahren. Die Finanzierung wird zur Hälfte vom Bund, zur Hälfte von den Ländern bereitgestellt. Aktuell werden an den nordrhein-westfälischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen 15 Projekte über das Akademienprogramm gefördert.
