RWTH

Wie digitale Formate das kritische Nachdenken über theologische Fragen fördern, zeigt das Projekt „Diskursives Lehren – nachhaltiges Lernen“ der RWTH, das nun mit einer feierlichen Abschlussveranstaltung endete.

Diskussionen über die Bedeutung und den Ursprung biblischer Texte gehören für Studierende der Katholischen Theologie an der RWTH Aachen zum Alltag. Mit dem Projekt „Diskursives Lehren – nachhaltiges Lernen“ wurde dieser Dialog um ein digitales Angebot ergänzt, das die RWTH in leitender Funktion gemeinsam mit den Universitäten Bonn und Münster entwickelt hat. Gefördert mit knapp 500.000 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms OERcontent.nrw (Open Educational Resources) lief das Projekt über zwei Jahre und fand nun mit einer feierlichen Veranstaltung seinen Abschluss.

Neben klassischen Lehrvideos und aufgezeichneten Diskussionen gibt es auch Reaktionsvideos: In diesen sehen sich Forschende Inhalte anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an und reagieren darauf in Videoform. Dabei ergänzen sie weitere Informationen, kommentieren Aussagen oder verdeutlichen eigene Standpunkte. So können Studierende Diskussionen Schritt für Schritt nachvollziehen, sie erneut ansehen und ihr Wissen vertiefen. Initiiert haben das Projekt Dr. Steffen Jöris und Dr. Christina Kumpmann vom Institut für Katholische Theologie in Kooperation mit Dr. Ludger Hiepel und Professor Oliver Dyma (Universität Münster) sowie Professor Christian Blumenthal und Benedikt Lüttgenau (Universität Bonn).

„Wir lösen die traditionelle Vorlesungssituation bewusst auf“, erklärt Projektleiter Dr. Jöris. „Studierende bearbeiten bereits vor der Präsenzveranstaltung Aufgaben, um anschließend gezielt über Inhalte zu sprechen. Durch die Videoformate lernen sie früh, kritisch Stellung zu beziehen und theologische Positionen zu reflektieren. Mehr noch, sie erleben Grundlagenwissen in diskursiver Form, wodurch die Validität des Wissens und der zugrundeliegenden Argumentation Autorität besitzt und nicht die Lehrperson im Vordergrund steht.“

Die gesamte Videoproduktion übernahm die zentrale RWTH-Serviceeinrichtung Medien für die Lehre. Alle Inhalte bleiben auch nach Ende der Projektlaufzeit frei zugänglich – ein wichtiger Beitrag zur offenen Wissenschaft und zur Zusammenarbeit mit anderen Universitäten.

Professor Joost-Pieter Katoen, Prorektor für Lehre an der RWTH, betonte die strategische Bedeutung des Projekts für die Weiterentwicklung der Hochschullehre: „Das OERContent-Projekt stellt einen bedeutenden Schritt in der Weiterentwicklung unserer Lehr- und Lernmethoden dar und zeigt, wie wir durch offene Bildungsressourcen (OER) die Hochschulbildung nachhaltig gestalten können.“ Es füge sich nahtlos in die Lehrstrategie der RWTH ein, da durch die Entwicklung und Bereitstellung offener Bildungsressourcen nicht nur der Zugang zu hochwertigen Lehrmaterialien verbessert, sondern zugleich das diskursive Lernen gefördert werde – eine zentrale Säule der Lehrphilosophie der Hochschule.

In einer Zeit, in der digitale Kompetenzen zunehmend gefragt sind, ermögliche OER zudem, Studierende aktiv am Lernprozess teilhaben zu lassen. „Dieses Projekt liefert damit einen wichtigen Beitrag, um OER als integralen Bestandteil unserer Lehrstrategien zu etablieren“, fasst Katoen zusammen.